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Chili Zucht von A bis Z

Ich habe schon immer gerne scharf gegessen. Die Schärfe des Capsaicin macht mir weitaus weniger aus, als Senfölglycoside (Meerrettich) oder Gingerol (Ingwer, engl. Ginger). Auch finde ich, dass Chili korrekt dosiert, nicht nur scharf ist, sondern auch richtig lecker schmeckt! Nun... Deutsche Supermärkte haben mir nicht genug Auswahl, von daher habe ich mich entschieden, selber Chilis anzubauen.

Mein Ziel:

Die Ernte wird vermutlich einige hundert Früchte betragen. Diese möchte ich...

  • trocknen
  • einfrieren
  • zu einer scharfen Soße verarbeiten und haltbar in Fläschchen abfüllen
  • zu einem feinen Pulver verarbeiten
  • für die nächstjährige Zucht verwenden

 

Wie ich zu meinen ersten Samen kam

Ich war dieses Jahr in den USA, Bekannte besuchen. Dort habe ich massenweise Chilis bestaunen dürfen. Sie leben im besonders warmen Bundesstaat Alabama. Dort beträgt das mittler Temperaturmaximum im Juli/August bis zu 32 °C. In Deutschland sind es in warmen Jahren gerade einmal 22°C.

Chili Anbaufläche in Alabama

Chili Anbaufläche in Alabama

Chilis benötigen besonders viel Sonne und eine hohe Temperaturen. Kein Wunden, dass dort so viele prächtige Pflanzen zu finden waren. Die Sorte, die dort am besten wuchs nennen sich „Thai Hot“. Ich habe etwa 20 getrocknete Chilis mit nach Deutschland genommen mit dem Ziel, endlich selbst zu anzupflanzen. Hier findest du Samen (*Link*). Am liebsten Pflanze ich Chilies aus den Samen getrockneter Schoten. So habe ich direkt einen Eindruck davon, wie die Ernte später aussehen wird. Beste Taktik um an exotische Pflanzen zu kommen: Freunde und Bekannte fragen, die kurz vor einem Trip in ein südliches Land sind. Getrocknete Chilis mitbringen (eine Hand voll reicht). Am besten erfragen diese noch den Namen der Sorte.

Chili Mitbringsel aus den USA

Getrocknete Chilis "Tai Hot". Mitbringsel aus den USA


Vorbereitung - Den richtigen Standort zum Chili anpflanzen finden

Zuerst einmal bin ich auf die Suche nach einem geeigneten Standort gegangen. Ich wohne in Süddeutschland, habe ein sehr helle Wohnung unterm Dach und glücklicherweise einen großen Balkon (ca. 3x6m). Der hellste Platz in der Wohnung war der Ort, wo der Esstisch steht. Nun denn… Ein paar Chili-Pflänzchen können ja nicht so viel Platz wegnehmen. Dachte ich. Also habe ich die Hälfte des Tisches für die Chili Anzucht reserviert. Sobald die Pflanzen groß genug sind, kann ich sie auf den Balkon stellen.

Also los geht’s…

 

Keimtest

Bevor ich mir die Mühe mach und mir das nötige Equipment zulege, habe ich erst einmal einen Keimtest gemacht. Ziel ist, die Samen ankeimen zu lassen um deren Potenz zu sehen bzw. ob sie überhaupt keimen. Dazu habe ich eine Eiswürfelform genommen und jedes Viereck zweifach mit einem kleinen Stück Küchenrolle ausgelegt. Danach in jedes Viereck ein paar Tropfen Wasser gegeben, sodass das Papier schön feucht ist. Pro Viereck habe ich 2-3 Samen gegeben und den Behälter mit Frischhaltefolie überspannt. So verfliegt die Feuchtigkeit nicht zu schnell und die Samen bleiben konstant feucht. In die Frischhaltefolie habe ich noch 4 Löcher gepikst, damit übermäßige Feuchtigkeit entweichen kann. In den nächsten Tagen regelmäßig die Feuchtigkeit überprüfen und ggf. Wässern. Nach ein paar Tagen (ca. 10-12 Tage) konnte ich erkennen, dass ca. 80-90% der Samen „aufgegangen“ sind und anfangen zu keimen. Ein super Ergebnis! Nun kann es losgehen. Das nötige Equipment bestelle ich mir meist im Internet. Nur Erde hole ich immer direkt im Pflanzenfachmarkt.

Keimtest im Eiswürfelbehälter

Keimtest im Eiswürfelbehälter. Vorsicht: Auch hier droht Schimmel, wenn nicht ausreichend belüftet ist.

Je nach Chilesorte kann das bis zu einem Monat dauern.

Jetzt muss es schnell gehen, da ich nicht wollte, dass die Samen zu sehr in das Küchenpapier einwachsen. Würden sich die Wurzeln zu stark entwickeln und ich diese beim Einpflanzen verletzen, könnte das die Pflanze beschädigen.

 

Samen in Jiffy Quelltöpfen einpflanzen

Die gekeimten Samen habe ich in Jiffy Töpfen eingepflanzt (*Link*). Dies muss man nicht, man kann auch dem Keimtest überspringen und die Samen direkt einpflanzen. Diese Jiffy Torfquelltöpfe eignen sich für diese Vorgehensweise super, so sind zumindest meine Erfahrungen. Die Quelltöpfe tragen diesen Namen, da sie aufquellen. Im Rohzustand sind sie lediglich kleine Erdtabletten.

Hier ist das feine Vlies der Substrat Tabletten erkennbar

Hier ist das feine Vlies der Substrat Tabletten erkennbar

Jiffy Tabletten im Ursprungszustand

Jiffy Tabletten im Ursprungszustand

Legt man diese in warmes Wasser ein, wachsen sie innerhalb weniger Minuten um ein vielfaches. Das Substrat (die Erde) ist stark torfhaltig, was die Anzucht begünstigt. Die so gewonnenen Erdballen werden durch ein feines Flies zusammengehalten. Die Jiffy Töpfchen haben oben eine kleine Öffnung, welche sich gut dazu eignet, die Samen dort einzusetzen.

 

Also, Samen rein und ab mit den Töpfchen an einen feuchten und warmen Ort.

Dazu habe ich mir zwei kleine Gewächshäuser besorgt (*Link*). Mit Luftschlitzen um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren. 3x5 Pflänzchen finden in einem Gewächshaus Platz. Die zwei Gewächshäuser nehmen nicht zu viel Platz weg und sehen auch hübsch aus auf dem Tisch. Die oberen Lufteinlässe halte ich die ersten zwei Wochen geschlossen, sodass die Pflanzen ein konstant feuchtes Klima haben. In dieser Phase ist Schimmel der größte Feind. Ein bis zwei Mal am Tag hebe ich den Deckel, sodass frische Luft reinkommt. So kann die Feuchtigkeit gut reguliert werden.

Schimmelprobleme? -> Schimmel vorbeugen und beseitigen

Die ersten Pflänzchen sprießen

Nach wenigen Tagen sehe ich die ersten grünen Blätter aus der Erde herausschauen. Ein super Gefühl! Endlich wächst was! Das Substrat halte ich leicht feucht, vermeide Staunässe und schaue den Pflanzen beim Wachsen zu. In manchen Jiffy Töpfchen habe ich vorsichtshalber 2-3 Samen gelegt. Sollten nun mehrere Pflänzchen pro Substratballen zu sehen sein, kannst du entscheiden, ob du diese frühzeitig teilst, oder nicht. Wachsen sie ein paar Wochen nebeneinander wirst du später Probleme beim Pikieren bekommen. Ich hatte glücklicherweise mehr als genug Samen angepflanzt und habe mich deshalb entschieden, die schwächeren der doppelten Pflänzchen zu eliminieren.

 erste-pflanzen

 

Schnell haben die Pflänzchen eine Größe erreicht, dass ich die ersten umtopfen muss. Spätestens jetzt muss ausreichend Platz vorhanden sein. Die Pflanzen sind zu klein, um die in die pralle Sonne zu stellen und auch zu empfindlich, um die bei kühlen Temperaturen rauszustellen. Die ersten Pflanzen bekommen ihr eigenes Zuhause. Ich habe mich für Tontöpfe entschieden, da sie mir deutlich besser gefallen als Plastiktöpfe. Bei vielen Pflanzen kann das jedoch richtig ins Geld gehen…

Wichtig war mir auch, dass die Töpfe eine Öffnung am Boden haben, sodass überschüssiges Wasser gut ablaufen kann.

Nach wenigen Wochen ist die halbe Wohnung voll mit Pflanzen. Jeder Fensterplatz ist belegt und an manchen Stellen sogar zweireihig. Bei meiner ersten Zucht habe ich unterschätzt, wie viel Platz diese Pflanzen wegnehmen. Ich bin froh, wenn ich sie nach draußen verlagern kann.

Umtopfen

Umtopfen der jungen Chili Pflanzen

Beim Umtopfen darauf achten, dass die Wurzeln nicht beschädigt werden. Da ich die Jiffy Töpfen benutzt habe, geht mir das leichter von der Hand. Ich entferne das Vlies außenrum und habe die Wurzeln samt Erde in der Hand. Ein kompakter Knollen. Den Topf fülle ich bis obenhin mit Erde, drücke diese leicht fest und mache eine 5cm tiefe Vertiefung in die Mitte. Dort setze ich den Setzling ein, drücke ihn leicht fest und bedecke ihn mit Erde. Bei der Wahl der passenden Erde ist Tomatenerde zu empfehlen, da Tomatenpflanzen und Chilipflanzen ähnliche Nährstoffe brauchen. Nach dem Umtopfen ausgiebig wässern. Spätestens jetzt merkt derjenige, der Chilis anbaut, wie viel Platz dafür notwendig ist.
Info: Das Vlies um die Jiffy Torfquelltöpfchen musst du nicht entfernen. Dieses löst sich von ganz alleine auf. Ich mache das einfach, weil es schöner aussieht, wenn nach dem Eintopfen kein Vlies um die Pflanze zu erkennen ist.

Bei mir ist es oft vorgekommen, dass die Pflanzen nach dem Umtopfen ihre Blätter haben hängen lassen. Dann keine Panik. Die Pflanzen regenerieren sich schnell. Bereits nach weniger Stunden haben sie ihre alte Stärke zurück. Sollten sie weiterhin ihre Blätter hängen lassen, prüft folgendes:

  • Habt ihr Wurzeln beschädigt?
  • Ist die Erde zu feucht (Staunässe) ?
  • Ist die Sonne zu stark? Gerade sehr junge Pflanzen haben bei starker Sonneneinstrahlung oft Probleme. 

Mittlerweile sind die Chilis größer geworden. Auch wenn sie sich unterschiedlich schnell entwickeln, bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. In dem folgenden Bild könnt ihr die Chilis in 5 verschiedenen Größen sehen. Vom Jiffy Töpfchen bis hin zum 10cm Topf.

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Blüten - Hurra! -> Bestäuben.

Wie ein stolzer Papa hab ich gegrinst, als die ersten Blüten zu sehen waren. Mit ihrem hellen weiß haben sie sich gut von den saftig grünen Blättern abgezeichnet. Nun geht’s ans Bestäuben oder ans Bestäuben lassen. Die Entscheidung liegt bei dir. Wenn du deine Chilipflanzen ins Freie stellst, werden Bienen und Wind dafür sorgen, dass deine Pflanzen bestäubt werden. Lässt du deine Pflanzen während der Blüte in der Wohnung oder in einem Gewächshaus, musst du hierbei oft nachhelfen.

Vorsichtig gehe ich mit einem feinen Pinsel in die von Blüte zu Blüte und fahre sanft an den Stempeln vorbei. Bei so viel Blüten eine mühselige Arbeit. Hoffentlich zahlt sich das Biene-spielen aus!

Chili Sortenrein halten / Mehrere Chiliarten anpflanzen

 

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